Ahrens: „Warnsignal für ein Kita-System am Rand des Kollapses“
„Diese Insolvenz ist nicht das Ergebnis eines unglücklichen Zufalls. Sie ist das Ergebnis jahrelanger politischer Untätigkeit und eines offenkundigen Planungsversagens“, kritisiert Sandra Ahrens, familienpolitische Sprecherin der CDU-Bürgerschaftsfraktion. Sie bewertet die Insolvenzmeldung des Trägers pme Familienservice Bremen gGmbH als ein weiteres Warnsignal für das Bremer Kita-System. Nach Petri und Eichen trifft es nun einen zweiten großen Anbieter. Die Leidtragenden sind nun 430 Familien mit Betreuungsverträgen und 120 Beschäftigte, die wenige Wochen vor Weihnachten in existenzielle Unsicherheit geraten. „Ihr Weihnachtsfest wird von massiven Sorgen überschattet, weil die Bildungsbehörde eine Kettenreaktion ausgelöst hat“, so Ahrens.
Die Insolvenz ist jedoch nicht nur das Ergebnis einer Entscheidung der Behörde, sondern Ausdruck jahrelanger struktureller Versäumnisse. „Seit 2008 wurde die Referenzwertfinanzierung nicht mehr angemessen angepasst; Verwendungsnachweise liegen seit 2019 ungeprüft in den Schubladen der Behörde. All das ist bekannt und all das liegt in der Verantwortung des Hauses des Bildungssenators Rackles“, stellt Ahrens klar. Die Insolvenz von pme ist ein weiteres dramatisches Warnsignal für das Bremer Kita-System. Nach Petri und Eichen trifft es nun innerhalb weniger Monate den zweiten großen Träger. „Wenn in so kurzer Zeit zwei Anbieter in die Knie gehen, ist das kein Betriebsunfall. Das ist ein Systemschaden. Diese Dimension sprengt den Rahmen einzelner Fehlentwicklungen“, kritisiert Ahrens.
Kinder, Familien und Beschäftigte zahlen den Preis für ein kaputtes System.
Die Bildungsbehörde hatte erst am vergangenen Dienstag (18. November 2025) in der Sitzung der Deputation für Bildung einräumen müssen, dass die Platzsituation in Bremen längst außer Kontrolle geraten sei. „Man verkündet freie Kita-Plätze und gleichzeitig stehen 680 Kinder ohne Betreuung da. Das ist nichts anderes als eine Bankrotterklärung der Bedarfsplanung. Wer 1.177 freie Plätze hat und trotzdem knapp 700 Kinder nicht versorgen kann, hat kein Planungsproblem, sondern ein Matching-Problem und gar keinen Plan“, so Ahrens.
Auch die Finanzierung für freie Kita-Träger ist seit Jahren in Bremen ein Sanierungsfall. „In Bremen fehlt nicht nur der Überblick, es fehlt ein funktionierendes System“, erklärt Ahrens. „Der Senat Bovenschulte hat seit Jahren versprochen, die Finanzierung zu reformieren, passiert ist nichts. Stattdessen zeigt man auf den Bund, während hier vor Ort Träger in existenzielle Not geraten.“ Die jüngste Antwort des Senats auf eine Kleine Anfrage der CDU-Fraktion (Drs. 21/1465) habe erneut gezeigt, wie sehr der Senat Probleme verwalte, statt sie zu lösen.
Für die CDU-Fraktion ist klar: Es braucht eine sofortige Aufklärung und politische Konsequenzen. „Wenn wir jetzt nicht handeln, rutscht uns das gesamte Betreuungssystem weg“, so Ahrens. Die CDU-Fraktion beantragt daher in der Sitzung des Deputationsausschusses „Frühkindliche Bildung“ am 3. Dezember 2025 eine umfassende Darstellung aller Träger, die aufgrund ausstehender Verwendungsnachweise oder unzureichender Finanzierung bereits ins Straucheln geraten sind, oder dies der Behörde bereits signalisiert haben. „Bremen muss endlich Transparenz herstellen und die strukturellen Fehler beseitigen, die immer mehr Träger in den Abgrund treiben. Kinder, Familien und Beschäftigte zahlen den Preis für ein kaputtes System. Diese Insolvenz ist ein letztes Warnsignal. Wenn der Senat jetzt nicht handelt, wird die nächste Pleite nicht lange auf sich warten lassen“, warnt Ahrens.