Ahrens: „Bremen bleibt Schlusslicht bei Betreuungsquote – Freie Kita-Plätze dürfen nicht im Abbau von Fachkräften münden“
Zur aktuellen Berichterstattung über die Auslastung der Kindertagesbetreuung erklärt Sandra Ahrens, kinderpolitische Sprecherin der CDU-Bürgerschaftsfraktion:
„Dass endlich jedem angemeldeten Kind ein Kita-Platz angeboten werden kann, ist eine gute Nachricht für die betroffenen Familien. Ein Erfolg der Senatspolitik sind die rund 1.780 freien Plätze aber nicht. Sie sind vor allem Folge deutlich sinkender Kinderzahlen und weniger vorausschauender Planung. Der Senat muss daher erklären, wie er den Platzausbau in Zukunft besser plant und mit den temporär entstandenen Überkapazitäten beim Personal klug umgeht.“
Bremen bleibt auch bei den neuesten vorgestellten Zahlen Schlusslicht bei der Betreuungsquote. Dieses Problem, kennen die anderen Stadtstaaten nicht. Nach einer Auswertung des Landesverbandes Evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder besucht mehr als jedes achte Kind vor der Einschulung keine Kita, in Gröpelingen und Blumenthal betrifft dies nahezu jedes vierte Kind, in Schwachhausen und Borgfeld dagegen nahezu keines.
Ahrens: „Eine Versorgungsquote sieht immer dann gut aus, wenn wenige Eltern einen Platz nachfragen. Genau darin liegt Bremens Problem: In keinem anderen Land gehen so wenige Kinder in die Kita wie hier. Wer nicht in der Kita ist, den erreichen wir mit Sprachförderung und frühkindlicher Bildung nicht – mit der Folge, dass diese Kinder häufig Probleme nach der Einschulung bekommen. Diese Lücken sind dort am größten, wo die Bedarfe am größten sind: in Gröpelingen, Blumenthal, Hemelingen und Vegesack. Damit wird zementiert, dass der Bildungserfolg Bremer Kinder vom Elternhaus abhängt. Eine Koalition, die sich als sozial versteht, muss sich an diesem Befund messen lassen. Wir haben ein erhebliches Interesse daran, dass perspektivisch mehr und nicht weniger Kinder die Kita besuchen.“
Die freien Plätze in den Kitas führen nun zu Personalanpassungen. Nach den Regeln der Sozialauswahl trifft dies zuerst die zuletzt eingestellten und damit die jüngsten Fachkräfte. Die von der senatorischen Behörde und der Arbeitnehmerkammer vorgelegte Verbleibstudie hat ergeben, dass zehn Jahre nach dem Berufseinstieg nur noch rund ein Drittel der Fachkräfte in der Bremer Kindertagesbetreuung tätig ist.
„Wir bilden fünf Jahre lang aus und lassen die jungen Fachkräfte anschließend gehen – und das, obwohl in den kommenden Jahren die geburtenstarken Jahrgänge in den Ruhestand wechseln und obwohl rechnerisch rund 1.800 Kinder alleine im Elementaralter keinen Kita-Platz in Anspruch nehmen, also eigentlich zu versorgen wären“, stellt Ahrens fest. „Wer heute Personal abbaut, wird es morgen teuer zurückholen müssen.“
Für Ahrens ist klar: „Wir müssen die Chance jetzt nutzen, Bildung und Betreuung verlässlich zu sichern, Fachkräfte zu halten und mehr Kinder mit frühkindlicher Bildung zu erreichen – damit jedes Kind in Bremen und Bremerhaven die bestmöglichen Chancen auf einen erfolgreichen Bildungsweg bekommt.“